Umgang mit

Kolonialen Straßennamen

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Die Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte wirkt sich mitunter auch auf Formen ihrer Erinnerungskultur aus. Führt sie ebenso zu einem veränderten Umgang mit kolonialen Straßennamen? In diesem Projekt werden Kommentierungen, Umbenennungen sowie alternative Formen des kolonialen Erinnerns im öffentlichen städtischen Raum dokumentiert und durch die Öffentlichkeit (Citizen Science) erweitert.

Teilen Sie vergangene sowie aktuelle Aushandlungsprozesse von kolonialen Straßennamen aus Ihrer Stadt oder stoßen Sie eine öffentliche Diskussion dazu an!

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Beispiele

Tübingen

Eduard-Haber-Str.Felicia-Langer-Str.

München

Kolonialsiedlung

Schwäbisch Gmünd

Petersweg

Berlin

Tangastr.

Berlin

PetersalleeAnna-Mugunda-Allee

Weitere Informationen

Entstehung kolonialer Straßennamen

Die deutsche Kolonialepoche mit ihrem Höhepunkt im Kaiserreich (1884-1918/19) hat auch in Deutschland selbst viele Spuren hinterlassen. Maßgebliche Zeugnisse im öffentlichen Raum stellen (neben Gebäuden und Denkmälern) koloniale Straßennamen mit Referenz auf Kolonialisten, kolonisierte Orte u. dgl. dar, die oft ganze Viertel waren. Jene Benennungspraxis überdauerte die faktische Kolonialzeit, wurde durch kolonialrevisionistische Initiativen weiter vorangetrieben und erreichte im Nationalsozialismus ihren Höhepunkt: Bis 1945 können über 500 koloniale Straßennamen für nahezu 100 Städte des Reichsgebiets ausgemacht werden.

Umbenennungen nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute

Die Diskussion über das Gewesene ist ein sich ständig verändernder Prozess: Das Vorgängerprojekt „Sprachliche Praktiken der Dekolonisierung? Umbenennungen kolonialer Straßennamen“ untersuchte den historischen und gegenwärtigen Diskurs über die Präsenz kolonialen Wissens sowie Haltungen und Einstellungen zur Kolonialgeschichte im (Alltags-)Raum erstmals auf systematische Weise. Nach Kriegsende wurden koloniale Straßennamen in der Sowjetischen Besatzungszone rigoros umbenannt. Nennenswerte Umbenennungen von historischen Straßenbenennungen zu Ehren zentraler Kolonialisten fanden dagegen in westdeutschen Städten erst ab der Jahrtausendwende statt, seitdem mit steigender Tendenz und in den letzten Jahren u. a. auch zugunsten der Erinnerung an den antikolonialen Widerstand und dessen Opfer.

Datenbank über die vielfältigen Umgangsformen mit der Kolonialvergangenheit

Das aktuelle Projekt „Informieren, Dokumentieren, Beraten: Integrierte Namen-, Text- und Bilddatenbank über den Umgang mit kolonialen Straßennamen seit 1945 bis heute“ dokumentiert die vielfältigen Formen kollektiver Erinnerung an die Kolonialgeschichte in Vergangenheit und Gegenwart. Das Portal schafft somit ein Informationsangebot zum gewinnbringenden Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, zugleich fördert es damit die weitere Erforschung des Themas. Entscheidend ist mitunter auch die aktive Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit (Citizen Science). Dabei geht es dem Projekt selbst nicht um das „richtige/falsche“ Erinnern an Kolonialismus: Indem vergangene und aktuelle Aushandlungsprozesse dokumentiert werden, kann das Portal auch Kommunen zukünftig beratend unterstützen, ohne normative Entscheidungen zu treffen - und so zu einer Versachlichung erinnerungskultureller Debatten beitragen.

Projektveröffentlichungen

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Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 492996932

Technische Umsetzung durch die Forschungsstelle DACHS des ZPD, Universität Würzburg.

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